Momentan haben viele Gruppen größte Schwierigkeiten, die Motivation aufrecht zu erhalten. Sie schaffen es nicht, die Corona-Lethargie abzuschütteln und hängen in einer Situation des Wartens fest. Warten auf das Ende der Pandemie. Aber wann soll das sein? Viele befürchten, während dieser Phase SängerInnen oder sogar die Chorleitung zu verlieren. Für diese Schwierigkeiten gibt es viele gute Gründe und wir haben sie definitiv nicht selbst verschuldet. Dennoch: wir müssen die Dynamik erkennen und wieder das Steuer übernehmen.

Was es momentan so schwierig macht

Nicht alle machen mit

Weil häufig niemand weiß, wer zur nächsten Online-Probe anwesend sein wird, und wer nicht, geht daran oft schnell der Spaß verloren. Die Verbindlichkeit ist nicht von allein gegeben. Es ist leicht, einfach nicht dabei zu sein – man verpasst ja sowieso nichts. Eine Digitalprobe vor leeren Rängen oder vor 5 Menschen, die sich im Dunkeln auf den Sofas lümmeln, schwächt die Moral des Chorleiters und der Anwesenden mehr, als dass sie nützt. 

Technische Hindernisse

Obwohl wir alle sehr viel technikaffiner geworden sind in der letzten Zeit, kann diese doch ein großes Hindernis sein. Zwar weiß jetzt wohl jeder, wie man an einer Zoom-Konferenz teilnimmt, aber man kann aufgrund der zeitlichen Verzögerung der Übertragung leider nicht gemeinsam singen. Wir müssen alle auf stumm schalten, was allein schon sehr traurig und das Gegenteil von Chorsingen ist. 

Das Gefühl der musikalischen Sinnlosigkeit

Manch einer hat das Gefühl, dass digitale Proben sinnlos sind, weil sie weder den sozialen Aspekt ausreichend erfüllen, noch musikalisch weiter bringen

Allgemeine Antriebslosigkeit

Wir haben es mit einer kollektiven Antriebslosigkeit zu tun. Die Pandemie wirft für jeden einzelnen von uns Fragen auf. Ganz besonders danach, was uns eigentlich im Leben motiviert. Wir erleben, dass doch viele von uns von außen motiviert werden müssen. Ein typischer Satz ist: Ich brauche Druck, damit ich etwas mache. Jetzt gibt es keinen Druck. Kein Konzert, keinen meckernden Vorstand, keinen unzufriedenen Dirigenten. Viele Chorleitungen (womit ich die gesamten, leitenden Rollen in einem Chor meine) empfinden nun verstärkt, was sie schon aus „normalen Zeiten“ kennen: wenn sie das Schiff nicht ziehen, dann fährt es nicht. 

Was kann man da tun?

Zunächst mal: gebt euch einen Ruck und übernehmt wieder die Führung. Am Anfang kann ein Zoom-Meeting mit allen Verantwortlichen im Chor stehen: ChorleiterIn, Vorstand, StimmführerInnen, Choreo-Team und wen ihr sonst noch so in verantwortlichen Positionen habt. Macht mal ein ausgiebiges Brainstorming und geht eure Bereich einzeln durch: Wie können die vielen Themen, die sonst in der Chorarbeit eine Rolle spielen, nun anders und neu aufbereitet werden? Gibt es Alternativen? Könnte ihr andere Angebote machen, als „normale Zoomproben“? Wie kann man eure Gruppe vielleicht wieder anregen? Gibt es innere Ziele, die ihr verfolgen könnt- alte Schwierigkeiten, für die deren Lösung nun endlich genügend Zeit ist?

Ideen und Vorschläge findet ihr auf den nächsten Seiten.