Unter Improvement verstehen wir das stetige Arbeiten an der Verbesserung in alle Richtungen. Was sich vielleicht zunächst nach wenig Spaß und unangenehmer Zielstrebigkeit anhört, ist doch eigentlich einfach nur ein anderes Wort für die anhaltende Begeisterung für die Sache. Um diesem Aspekt mehr Raum zu geben, habe ich mich für die englischsprachige Bezeichnung entschieden.

Wer mit Begeisterung etwas Neues lernt, der wird dafür mit einem ganzen Schwung Endorphinen und anderen Botenstoffen belohnt, die bei Bewältigung der Aufgabe im Gehirn ausgeschüttet werden. Wow! Es ist geschafft! Und wie sich das anfühlt!!

Es ist ein Problem, dass bei vielen Menschen „Besser werden“, „Üben“ und „Detailarbeit“ negativ konnotiert sind. In unseren Chören geht oft genau an dieser Stelle ein Riss durch die Gruppe: auf der einen Seite diejenigen, die gern mehr Zeit und Energie in die Verbesserung stecken würden, weil sie sich auf die Hormonausschüttung im Gehirn freuen – und die anderen, die damit Druck, Frust und anstrengendes Arbeiten verbinden.

Dennoch, darauf wollen wir nicht verzichten. Wir streben immer weiter nach vorn – wobei „vorn“ nicht mit „oben“ verwechselt werden darf! Wettbewerb tötet Kreativität… und die hätten wir doch sehr gern in unseren Gruppen. Sagen wir also lieber: wir streben danach, das Potenzial der Gruppe und des Einzelnen in alle Richtungen auszudehnen und voll auszuschöpfen – in jeder Hinsicht.

Homogene Gruppenstruktur

In homogenen Gruppen lernt es sich leichter, fröhlicher und unbeschwerter. Im Chor bedeutet das, dass wir Homogenität im Hinblick auf die Lust am Lernen und die zeitliche Einsatzbereitschaft anstreben. Charakterliche Unterschiede sind hiermit ausdrücklich nicht gemeint. Und ja – das heißt mit Sicherheit, dass uns die eine oder andere Sängerin im Laufe der Zeit verlassen wird. Aber andere werden hinzu kommen, die die Gruppe bereichern werden.

Angstfreie Lernatmosphäre

Die Angst davor, etwas falsch zu machen und dafür Kritik zu ernten, sitzt in vielen von uns tief und fest verankert. Leider ist Angst das Gegenteil von Freude… und nur, was mit Freude gelernt wird, bleibt hängen! Lasst uns also für eine angenehme Lernatmosphäre sorgen, in der alles gesagt und ausprobiert werden darf! So oder so gibt es in der Kunst sehr wenig „Falsches“, da wir das sicher noch zu einem anderen Zeitpunkt in einem anderen Kontext noch gebrauchen können. Durch das angstfreie Ausprobieren erschaffen wir uns für die Zukunft unzählige Möglichkeiten!

Förderung der Einzelnen Teilnehmer

Jeder Chor kommt irgendwann an den Punkt, an dem Verbesserungen nur noch dann erzielt werden können, wenn die einzelnen TeilnehmerInnen besser werden! Vom Sänger bis zum Chorleiter, von der Choreografin bis hin zum Stimmführer. Hier setzt die Chorliebe-Lernwerkstatt an. Wir geben Resonanz, berücksichtigen unterschiedliche Wissensstände und schaffen ein Klima des Vertrauens, in dem sich die Teilnehmer wohl fühlen können. Dies schlagen wir auch für alle Chöre in diesem Land vor 😉

Baby-Steps 

Kleine Mini-Lernschritte sind das A und O auf dem Weg zum Erfolg! Daher unterteilen wir alle Lerninhalte in möglichst kleine Schritte. Das hält die Sache übersichtlich und schützt vor zu großer Frustration durch Überforderung. Je sicherer ich mir sein kann, dass ein Teilnehmer einen Schritt nicht nur verstanden hat, sondern auch anwenden und transferieren kann, desto mehr ist gewonnen! Zu diesem Thema gibt es einen eigenen Kurs bei Chorliebe: Die Babystep-Methode

Wettbewerbsfreie Zonen

Ich bin kein Freund von Wettbewerben in der Kunst als Werkzeug der Verbesserung. Wer sich dem Wettbewerb stellt, der unterwirft sich den Bewertungskriterien anderer und versucht wahrscheinlich auch, möglichst genau den Erwartungen zu entsprechen… die man häufig nicht mal genau kennt. Improvement heißt aber, dass wir in viele Richtungen wachsen, Potenziale ausschöpfen und ungewöhnlicher, kreativer und seltsamer werden. Wer gern an Wettbewerben teilnimmt, der konzentriert sich vielleicht lieber auf das messbare Handwerkszeug- das ist aber nur die Hälfte der Kunst.

Dennoch finde ich es wichtig, hin und wieder an Wettbewerben teilzunehmen. Wettbewerbs-Situationen erzeugen viel Druck und Stress! Schaffen wir es, unter diesen Bedingungen wir selbst zu bleiben? Nicht einzuknicken? Spaß zu entwickeln und die Bühne zu rocken? 

Kreative Zusammenarbeit

Ein Chor sollte ein Ort kreativer Zusammenarbeit sein oder werden. Niemand weiß und kann alles! Wenn jeder seine Kreativität beisteuert, damit andere inspiriert und sich wiederum inspirieren lässt, dann werden die Chöre Orte, in denen tiefe, menschliche Bedürfnisse befriedigt werden. Jeder möchte kreative Beiträge zum großen Ganzen leisten, das ist in uns als Menschen so angelegt. In dem wir auch das Ungewöhliche akzeptieren, willkommen heißen und ausprobieren, schöpfen wir mehr Potenzial aus, als wir bislang zu träumen gewagt hätten.