Mein persönlicher Rück- und Ausblick

Mein persönlicher Rück- und Ausblick

Das vergangene Jahr war bei mir geprägt durch eine Menge Arbeit, unzählige Versuchs-und-Irrtums-Prozesse und den Kampf gegen die Corona-Windmühlen. Auch in diesem Jahr bin ich ziemlich k.o. und brauche ganz dringend die Ruhe zwischen den Feiertagen. Es war ein weiteres Jahr fast ohne Einkommen – aber in dem Zusammenhang bin sehr, sehr dankbar, dass wir mit Hilfe der Kurzarbeit Lailas und meine Jobs und unsere Sozialversicherungen wenigstens erhalten konnten. Das alles könnte mich sehr an das letzte Jahr erinnern- und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Ich starte mit einem guten Gefühl und einer großen Portion berechtigter Hoffnung ins nächste Jahr. Es ist mir gelungen, inmitten all den Unwägbarkeiten eine Saat zu setzen und einem jungen Pflänzchen zum Leben zu verhelfen: dem Chorliebe-Stage-Club. Noch ist es klein, das Pflänzchen, aber gesund und robust. 

Was ist der Stage-Club in meinen Augen? 

Eine Gemeinschaft wirklich toller und engagierter Frauen, die sich gegenseitig unterstützen – und das nicht nur, um ihr Bühnenpotential zu entfalten… Es hat sich gezeigt, dass man in unserer Community auch alle anderen Fragen des Lebens ansprechen kann und eine Vielzahl wertvoller Antworten bekommt. Wir haben unser eigenes, kleines soziales Netzwerk erschaffen – ganz ohne Werbung, Hass und Häme. Stattdessen mit viel Wohlwollen, Unterstützung und guter Laune.

Der Stage Club ist keine geschlossene Versammlung. Vielmehr sind wir jederzeit offen für alle Frauen. Einige sind bei uns, weil sie die kleinlichen Streitereien und Eifersüchteleien in ihren Gruppen satt haben. Andere haben gar keinen Heimatchor und nutzen diese Chance, endlich wieder regelmäßig zu singen. Andere wiederum lieben ihre Heimatchöre, vermissen aber die Herausforderung der persönlichen Verbesserung und Potentialentfaltung. Wir alle wissen: Wirklich groß wird man nur gemeinsam. Uns geht es um die Sache selbst, wie wird frau eine tolle Chorsängerin und Bühnenperformerin? Wie können wir das Gelernte auch in unseren Alltag übertragen? Und wie ist man sich gegenseitig eine gute Hilfe und Stütze?

Basis der Gemeinschaft ist unser soziales Intranet. Es funktioniert ähnlich, wie Facebook – ist aber viel, viel kleiner, sehr übersichtlich und ganz persönlich. Wir können hier nach den Lieblings-Hörbüchern der anderen fragen, einen Job anbieten und nach Songvorschlägen für den nächsten Solo-Auftritt fragen. Aber das Wichtigste sind natürlich die Online-Proben, Tutorials und thematischen Inhalte, die hier gut sortiert und jederzeit abrufbar sind. So haben wir Noten, Teachtapes und alles andere immer in der Hosentasche. Man weiß ja nie, wann sich mal 10 Minuten Zeit ergeben, um den Text für das nächste Lied zu lernen.

Im Augenblick sind wir ungefähr 60 ständige Mitglieder, dazu kommen dann temporäre Teilnehmerinnen durch unsere 6-Wochenprojekte und Songsembles. Im Schnitt sind also meistens zwischen 80 und 100 Frauen im Netzwerk. Das ist schon ein sehr, sehr guter Anfang. 

Der erste Chor, den wir als Jahresprojekt gegründet haben, war Pop-Up21. Im Oktober 2021 habe ich den Aufruf gestartet  – und im Nachhinein kann ich mein und unser Glück kaum fassen, dass sich in nur 4 Woche 21 Frauen zusammengefunden haben. Und was für welche! Das kann einfach kein Zufall sein. Nicht alle haben das Jahr durchgehalten – aus unterschiedlichen Gründen. Aber wir standen beim Abschlusskonzert immerhin mit 15 Frauen auf der Bühne und haben 5 Songs plus Zugabe bestens aufgeführt. Was war das für ein tolles Erlebnis! Überhaupt haben wir das erste Pop-Up-Jahr als magisch empfunden. Während um uns herum kein Chor proben konnte, die Laune nicht selten in den Familien auf dem Tiefpunkt hing und alles irgendwie still zu stehen schien, fühlten wir uns kreativ beschäftigt und in bester Gesellschaft. So konnten wir so manchen Hänger untereinander auffangen.

Wir proben ja immer ca 3 Monate online (mit Hilfe von Zoom, Tutorials, aufgezeichneten Video-Proben und kleinen Einzel-Coachings) und treffen uns dann an einem Wochenende in Dortmund, um die vorbereiteten Songs zusammen zu bringen. Am Anfang kannten wir uns ja gar nicht wirklich. Im Nachhinein können wir sagen, dass wir am ersten Chorwochenende die bekanntesten Unbekannten getroffen haben, die wir jemals kennenlernen durften. Das Internet bietet weitaus mehr Möglichkeiten echten sozialen Zusammenhalts, als die meisten von uns vorher gedacht hatten.

Später im Jahr ein weiterer, magischer Moment! Bis dahin hatten wir unsere Songs immer nur mit Midis geübt – also mit Begleitmusik aus der Blechbüchse quasi. Nun kam die Band. Und was für eine! Unsere Profiband ist einfach der Knaller und wir haben uns von ihnen wirklich noch mal ganz neu inspirieren lassen. Toll!!

Das Konzert fand dann zusammen mit meinem Heimatchor Trallafitti statt. Alle waren so froh und glücklich – und nach dem Konzert haben wir noch jedes Lied geschmettert, das zumindest ein paar von uns kannten. 

Ausblick auf 2022

Für 2022 möchte ich gern Chorliebe auf solide finanzielle Beine stellen. Ich möchte nicht nur ein angemessenes Gehalt für Laila und mich erwirtschaften, sondern auch ein Polster anlegen, damit uns Steuerzahlungen und höhere, unerwartete Kosten keine schlaflosen Nächte mehr bereiten. Alles, was darüber hinaus in die Kasse kommt, geht direkt wieder in den Stage-Club zurück und kommt damit allen Teilnehmerinnen zugute! Wir möchten neue Songs arrangieren lassen, der Band keinen Freundschaftspreis mehr abverlangen müssen… und vielleicht in unsere Tontechnik investieren… mal sehen, ob das im kommenden Jahr schon drin ist.

Den ersten Schritt in die Richtung haben wir schon gemacht, indem wir unsere GmbH in eine gemeinnützige GmbH umgewidmet haben. Wir verpflichten uns damit zu genau der Vorgehensweise: nämlich alle Überschüsse in unseren Gesellschaftszweck, der Pflege der Chormusik,  zu re-investieren. Es fühlt sich gut und richtig an! 

Wir können dann auch Spenden und Fördergelder entgegen nehmen. Ich denke, dass dies ein richtiger und wichtiger Schritt ist. Denn niemand will sich hier bereichern oder seinen Maserati finanzieren. Es geht uns einfach nur darum, gemeinsam schöne Musik zu machen und dabei nicht am Hungertuche zu nagen.

Der zweite, wichtige Schritt in diese Richtung ist die Erweiterung unserer Angebote. Besonders pflegen werde ich unsere neue Fortbildung in Sachen Chor-Choreografie und Bühnenpräsentation. Und wer mich kennt, der weiß: an weiteren Ideen mangelt es nicht. Mal sehen, welche davon das Licht der Welt erblicken werden – und welche (noch) nicht.

Ich hoffe, möglichst  viele Gleichgesinnte erreichen zu können im nächsten Jahr! Das ist ja gar nicht so einfach, denn nicht jede Sängerin ist bei Facebook (wo ich die meiste Werbung schalte). Darum freue ich mich über eure Hilfe! Kommt zu uns, macht mit und erzählt den anderen davon! Wichtig dabei: fast jede von uns hat einen Heimatchor zuhause. Niemand muss sich entscheiden. 

Herzliche Grüße und bis bald

Britta

Kurz-Überblick 2021

  • Gründung Chorliebe-Stage-Club mit dem ersten Chor „Pop-Up21“
  • Der WDR hat eine Dokumentation über uns gedreht “ Echtes Leben – Neustart in der Krise“
  • Ich habe den Online-Kurs „Einfach Tanzen“ aufgenommen, mit dessen Hilfe viele Chöre im Log-Down getanzt haben! Man übt alle Grundschritte der Chor-Choreografie frei und mit viel Spaß zuhause im Wohnzimmer
  • Es sind einige Video-Premieren entstanden:
    • Trallafitti „Don’t fence me in“ (-->anschauen)
    • Pop-Up21 „No Smoke“ (--> anschauen)
    • Songsembles „So schön kann doch kein Mann sein“, „Widder wider Willen“, „Ich bin nur gut, wenn keiner guckt“ und „Mary, did you know“ (-->anschauen)
  • Wir waren in Hannover auf der chor.com
  • Der erste Schnuppermonat im Stage-Club war im Oktober, mit vielen Webinaren – unter anderem von Monika Gindl, unserem Vocal Coach. Sie wird den Stage Club auch im nächsten Jahr unterstützen
  • Ich bin umgezogen mit meinem Video-Studio: aus dem heimischen Schlafzimmer in ein eigenes Büro
  • Drei neue Gruppen im Stage Club wurden etabliert: Pop-Up22, Sistaz und die Choreo-Crew
  • Es gab ein wunderschönes Jahres-Abschlusskonzert in unserem Heimat-Musiktheater-Kubus in Dortmund