Welche Gewohnheiten hast du?

Wenn man mit mehr Mimik und Emotion singen möchte, ist es sehr hilfreich, zuvor die eigenen Sing-Gewohnheiten zu ergründen. Wenn ich weiß, was ich normalerweise mit meiner Gesichtsmuskulatur tue, dann kann ich diese Gewohnheiten auflösen und durch neue ersetzen.

Fangen wir aber mal ganz von vorne an: Warum hat man beim Singen eigentlich keine ganz natürliche Mimik, wie beim Sprechen auch? Beim täglichen Kommunizieren mit meinen Freunden oder der Familie denke ich ja auch nicht darüber nach, was mein Gesicht macht. Warum soll ich es beim Singen tun?

Normalerweise bilden die gesprochenen Worte und die dazu spontan entstehende Mimik eine Einheit. Wir denken nicht darüber nach, die Mimik kommt ungefragt einfach dazu. Meistens wissen wir auch gar nicht, wie wir eigentlich schauen, wenn wir fröhlich, ängstlich oder traurig sind. Wir nehmen es schlicht nicht wahr.

Nun ist es leider so, dass Texte, die wir auswendig gelernt haben, an einem anderen Ort im Gehirn gespeichert werden und nicht mehr mit dem emotionalen Zentrum verbunden sind. Du kannst das ganz einfach überprüfen, indem du ein Gedicht aus Kindertagen aufsagst. Vermutlich verfällst du in einen Singsang, bei dem nicht die Bedeutung, sondern das rhythmische Metrum im Vordergrund steht. Wir können sogar Texte aufsagen, ohne, dass wir den Inhalt wirklich präsent haben. Wir alle kennen wahrscheinlich so einen Moment, in dem uns manchmal nach Jahren erst auffällt, was wir da die ganze Zeit vor uns hin gesagt haben. Vielleicht bemerkst du auch, dass deine Mimik nicht mitgeht. Das ist ein Phänomen, das alle auswendig gekonnten oder abgelesenen Texte gemein haben. Wenn wir sie mit Gefühl und Ausdruck singen oder sprechen wollen, müssen wir Bedeutung und Mimik wieder hinein bringen.

Beim Singen richtet sich unsere Mimik also nicht von allein nach dem Text und seiner emotionalen Bedeutung. Aber wonach dann? 

Hier kommen die persönlichen Gewohnheiten ins Spiel. Manche Menschen richten die Mimik beim Singen nach der Tonhöhe. Bei hohen Tönen gehen die Augenbrauen hoch, bei tiefen runter. 

Andere Menschen benutzen die Muskulatur rund um den Mund für eine sehr engagierte Sprache, was dann die Gewohnheit bildet, überdeutlich zu artikulieren. Auch das beeinflusst die Mimik.

Andere konzentrieren sich auf ganz andere Dinge, dann frieren die Gesichtsmuskeln ein und man sieht dem Menschen die Konzentration an.

Irgendwie muss man beim Singen ja gucken 😉 

Weißt du, welche Gewohnheiten du hast? Nimm dich mal beim Singen auf und schau es dir an. Was machen deine Augenbrauen? Was der Mund? 

Wenn du das herausgefunden hast, kannst du üben, die Gewohnheit ganz bewusst nicht mehr zu tun. Du ziehst die Augenbrauen beim Singen hoch? Lass sie unten. Dein Gesicht friert ein? Bring Bewegung hinein. Du artikulierst sehr viel mit dem Mund? Entspanne mal alle Gesichtsmuskeln.

Dies ist die erste Übung auf dem Weg zu einer ausdrucksstarken Mimik. 

Viel Spaß beim Ausprobieren!